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Röhrichtentwicklung an stauregulierten Bundeswasserstraßen

Möglichkeiten und Grenzen der Förderung von Röhricht im Zuge von Kompensations- und Unterhaltungsmaßnahmen

Röhrichte sind Teil unserer natürlichen Gewässerlandschaft und Lebensraum für viele seltene Tierarten. Sie sind nach BNatSchG geschützt. An stauregulierten Bundeswasserstraßen kommen sie, verglichen mit anderen Biotoptypen, eher selten vor. Das liegt unter anderem an den verhältnismäßig steilen und häufig stark befestigten Ufern sowie an der Wellenbelastung durch die Schifffahrt. Weitere Gründe für die Seltenheit der Röhrichte sind Nutzungen in Ufernähe und die Verdrängung durch andere Pflanzen; an stauregulierten Gewässern ist dies vor allem die Gehölzkonkurrenz.

Möchte man also vermehrt Röhricht an den Wasserstraßen ansiedeln, müssen zunächst geeignete Standorte geschaffen werden. Besonders erfolgversprechend sind hier wellen- und strömungsberuhigte Flachwasserzonen mit flachen Ufern. Möglich ist die Anlage solcher Strukturen z. B. im Zuge von Kompensationsmaßnahmen. Die Ansiedlung von Röhricht war auch bei der Uferstrukturierung des rechten Mainufers bei Hasloch (Main-km 151,96 bis 152,56) ein Aspekt. Es wurde ein parallel zum Main verlaufender Flachwasserbereich angelegt, der über zwei Durchlässe mit dem Main verbunden ist. Das Ziel: an den flachen Ufern des neu entstandenen Gewässers sollte sich Röhricht etablieren. Doch nach Fertigstellung der Baumaßnahme im Jahr 1997 entwickelte sich zunächst ein sehr dichter Erlenbewuchs, der die ersten Initiale der gewünschten Röhrichtgesellschaft unterdrückte.

Um das Röhricht zu fördern, schneiden Mitarbeiter der WSV in Absprache mit der BfG seit 1999 die Gehölze an einem Uferabschnitt regelmäßig zurück (gelenkte Sukzession). An einem anderen Uferabschnitt überlässt man die Ufergehölze der ungestörten Entwicklung (ungelenkte Sukzession). Neben Schilf- und Rohrglanzgrasröhricht entwickelte sich in der Flachwasserzone ein Rohrkolbenröhricht.

Pflanzenbestand des UfersUferbestand bei gelenkter (links, Röhricht) und ungelenkter Sukzession (rechts, Erlen)

Von 1999 bis 2008 haben wir, zusammen mit einem Planungsbüro, die Vegetationsentwicklung unter gelenkter und ungelenkter Sukzession mittels Dauerflächen und Transekten beobachtet. Erste Ergebnisse zeigen: unter gelenkter Sukzession konnte sich Röhricht entwickeln, der Gehölzrückschnitt muss aber in den meisten untersuchten Uferabschnitten fortgesetzt werden. Auf den Abschnitten mit freier Sukzession hat sich zunächst ein monoton strukturierter Erlenbestand entwickelt. Dieser wird sich jedoch mit zunehmendem Alter der Erlen differenzierter entwickeln – unter anderem wegen des Wegfalls einzelner Bäume durch Konkurrenz und der Aktivität des Bibers.

Die Entwicklung des Rohrkolbenröhrichts in der Flachwasserzone zeigt folgende Abbildung:

Kartierung, Legende, FotoBiotop Hasloch, Flachwasserzone: Entwicklung eines Rohrkolbenröhrichts bei ungelenkter Sukzession auf Standorten, die für eine Gehölzentwicklung zu nass sind. Dauerflächen-Untersuchung 2003 (links oben und Foto) und 2006 (rechts oben). Deutlich zu erkennen: wasserseitige Ausbreitung des Rohrkolbens, von Land fortschreitende Sukzession. Blaue Punkte: innerhalb eines Sommers neu aufgewachsene Rohrkolben-Sprosse.

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