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Das Modellsystem INFORM

Das Berechnungssystem INFORM kann im Expertenmodus ökologische Prognosemodelle erstellen und kalibrieren – mit dem Ziel einer möglichst flächenscharfen und biotisch genauen Modellaussage. Das System benötigt hierzu exakte Flusswasserstandswerte und Überflutungsdauern sowie Daten zu Grundwasser und Boden, da diese Parameter die Lebensräume für Vegetation und Fauna der Flussaue maßgebend prägen. Dagegen kommt die Abschätzungsversion INFORM.DSS im Anwendermodus mit deutlich weniger Eingangsdaten aus.

Schematische Darstellung der WirkungspfadeWirkungspfad in der Flussaue

Als geographisches Informationssystem ermöglicht INFORM räumliche Aussagen. Es ist modular aufgebaut und kann jederzeit erweitert oder geändert werden. Übergeordnete Systembausteine beinhalten einzelne Systemkomponenten, die durch eine Benutzeroberfläche miteinander verbunden sind. In den Komponenten bilden die modellrelevanten Faktoren in zumeist regelbasierten, empirisch-deterministischen Modellen die Habitateignung für die jeweilige Organismengruppe (z.B. Schnecken) ab. Fachwissenschaftler der BfG erstellen die Modellierungsregeln und überprüfen sie. Falls erforderlich, werden die Regeln verbessert.

Die ökologische Modellierung erfolgt in den biotischen Systemkomponenten für Pflanzenhabitate, Flussauenhabitate von Laufkäfern, Muscheln und Schnecken sowie für die aquatischen Habitate von Fischen und Makrozoobenthos.

Das Bewertungsverfahren ist an die anerkannten Verfahren UVU und URE angelehnt. Es systematisiert und veranschaulicht die bisher oft nur verbal durchgeführten Bewertungen. Am Ende der Modellierung stehen Karten mit den Flächen potenzieller ökologischer Veränderungen. Es sind diverse ökologische Bewertungen machbar: so ist es z.B. möglich, tolerierbare Veränderungen im Flusswasserstand zu ermitteln, indem dieser pauschal angehoben und abgesekt wird (Simulation). Dann bestimmt das Modell den Zustand, der in Bezug auf sensible Flussauenbereiche ökologisch gerade noch vertretbar ist. Das kann wichtig sein, wenn es z.B. um die Auswirkung einer Maßnahme auf ein in der Nähe gelegenes Naturschutzgebiet geht. Wirken sich die ökologischen Veränderungen in den Biotoptypen nicht bis zum Naturschutzgebiet (NSG) aus und sind die von der Veränderung betroffenen Bereiche nicht sensibel, so kann kann davon ausgegangen werden, dass die Maßnahme zu keinen erheblichen Veränderungen führt.

Karte des Naturschutzgebiets mit WasserstraßeBeispiel eines Modellergebnisses: Einfluss einer geplanten Baumaßnahme auf ein Naturschutzgebiet

Wenn die Eintiefungstendenzen z. B. durch externe Modellrechnungen bekannt sind oder durch schrittweise Annahmen in INFORM simuliert werden, können diese Daten als Grundlage einer Modellierung herangezogen und damit die ökologische Wirkung dieser Maßnahme in der Flussaue ermittelt werden. Weiterhin ist es möglich auszuwerten, wie sich Erosionserscheinungen der Flusssohle auf die Ökologie auswirken. Auch hier werden die von Veränderungen in der Flussaue betroffenen Flächen im Lageplan ausgewiesen. So lässt sich, abhängig von den jeweiligen Auswirkungen, ermitteln wie dringlich mögliche Gegenmaßnahmen eingeleitet werden müssen.

KarteRote-Liste-Status von Pflanzen in der Aue durch Eintiefung der Flusssohle. Rot: Verschlechterung, Grün: Verbesserung. Je blasser die Farbe, desto länger dauert es, bis die Veänderung eintritt (10 - 60 Jahre)

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