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Erfolgreiche Arbeit im Open Geospatial Consortium (01.07.2014)

Im Jahr 1988 wurde das Weltdatenzentrum Abfluss (Global Runoff Data Centre – GRDC) offiziell in der Bundesanstalt für Gewässerkunde angesiedelt. Geleitet wird das Zentrum seit 2007 von Ulrich Looser. Neben dieser Tätigkeit war Looser fünf Jahre lang einer der Co-Chairmen in der Arbeitsgruppe Hydrologie des OGC (Open Geospatial Consortium). Hier werden weltweit gültige Standards für den Austausch hydrologischer Daten festgelegt. In diesem Wirkungszeitraum wurden wichtige Entwicklungen abgeschlossen. Nun hat Looser die Verantwortung weitergereicht.

Geodaten sind nicht nur ein bedeutsames Wirtschaftsgut, sondern sie sind fast unmerklich Teil unseres täglichen Lebens geworden. Längst werden die Daten über traditionelle Anwendungen wie Kartografie oder Raumplanung hinaus millionenfach zur Informationsgewinnung per Internet genutzt. Auch zur Arbeitserleichterung werden sie eingesetzt, z. B. bei Autofahrten per Navigationssystem. Dass hierbei Geodaten über nationale Verwaltungsgrenzen und Ländergrenzen hinweg zusammengeführt werden, wird allzu leicht vergessen.

Alle Daten mit direktem oder indirektem Ortsbezug bezeichnet man als Geodaten. Auch in der Hydrologie entstehen zahlreiche georeferenzierte Daten, z. B. an Pegelstationen oder bei der Abflussmessung mit ADCP-Messbooten. Diese Daten fließen oftmals in internationale Beobachtungsprogramme ein. Um diesen Transfer zu gewährleisten und die raumbezogenen Daten einem großen Anwenderkreis zugänglich zu machen, ist eine Geodateninfrastruktur erforderlich. Dahinter versteckt sich ein komplexes Netzwerk zum Datenaustausch, das Produzenten, Dienstleister und Nutzer der Geodaten miteinander verknüpft. Eine funktionierende Geodateninfrastruktur benötigt eine technische Infrastruktur, aber auch rechtlich, organisatorisch und fachlich verbindliche Regelungen. Und dazu gehören standardisierte Datenformate für den globalen Datenaustausch.

Bei solchen Standards sollen keine proprietären Entwicklungen einzelner Firmen genutzt werden, sondern offene, frei verfügbare Formatierungen. Dieser schwierigen Koordinierungsaufgabe hat sich das Open Geospatial Consortium (OGC) angenommen. Das OGC ist eine seit 1994 weltweit arbeitende, gemeinnützige Organisation, deren Mitglieder aus den unterschiedlichsten Bereichen kommen: neben Regierungsorganisationen findet man unter anderem Universitäten oder Industrieunternehmen. Von der OGC festgelegte Standards sind weltweit akzeptiert und von grundlegender Bedeutung für die Entwicklung raumbezogener Informationsverarbeitung.

Besonders wichtig sind diese Standards für Institutionen wie die WMO (World Meteorology Organisation). Innerhalb der 191 WMO-Mitglieder (Staaten und Territorien) ist der Stand der Technik recht unterschiedlich, ebenso die Datengewinnung und -verarbeitung. Trotzdem hat die WMO Standards gefunden, die den notwendigen globalen Datenaustausch ermöglichen. Die Einführung neuer Standards ist nur möglich, wenn sich die bisherigen Verfahrensweisen daran anpassen lassen. Aus diesem Grund stellt die WMO zwei der drei Chairmen innerhalb der Arbeitsgruppe Hydrologie des OGC. Durch diese einflussreiche Position ist sichergestellt, dass die Interessen der WMO und ihrer Mitglieder gewahrt werden.

Von 2009 bis 2014 war Ulrich Looser einer dieser WMO-Chairmen. Als Leiter des Global Runoff Data Centre, welches unter der Schirmherrschaft der WMO steht, brachte Looser reichlich eigene praktische Erfahrungen zu den Problemen und Lösungsmöglichkeiten im internationalen Austausch hydrologischer Daten mit. Das GRDC sammelt Abflussdaten weltweit, um sie aufzubereiten und allgemein zugänglich zu machen. Zur Zeit umfasst die Datensammlung des GRDC über 9000 Stationen aus 160 Ländern.

In der Zeit Loosers Chairman-Tätigkeit wurde manches angestoßen und einiges abgeschlossen. So wurde „WaterML 2.0, Teil 1: Zeitreihen“ als OGC-Standard eingeführt, das erste international standardisierte Austauschformat für hydrologische Zeitreihen. Es ist wegbereitend für die Verknüpfung lokaler, regionaler und globaler Wasserinformationen zu einem umfassenden Wasserinformationsnetzwerk. Bei der WMO wurde der Prozess gestartet, der zur Anerkennung von WaterML 2.0 als gemeinsamer WMO-und ISO-Standard führen soll. Weitere Datenaustauschformate unter anderem in den Bereichen Abflusskurven, Grundwasser und Wassergüte befinden sich in Vorbereitung.

Zum 1. Juli 2014 hat Ulrich Looser die Position des WMO-Chairman in der Arbeitsgruppe Hydrologie des OGC an seinen Nachfolger, Silvano Pecora, abgegeben. Pecora ist in einer Umweltbehörde in Oberitalien (Agenzia Regionale per l'Ambiente Emilia Romagna, ARPA) tätig.

Ulrich Looser Ulrich LooserUlrich Looser leitet seit 2007 das Global Runoff Data Centre in der Bundesanstalt für Gewässerkunde

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