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Havarie der MS Flaminia (08.10.2012)

Vor einigen Wochen ist die havarierte MS Flaminia im Tiefseehafen JadeWeserPort eingetroffen. Das unter deutscher Flagge fahrende Containerschiff war durch einen großen Brand schwer beschädigt worden. Da auch Gefahrgutcontainer an Bord waren, stellte sich die Frage, ob das Löschwasser, das sich noch im Schiff befand, belastet ist und wie es entsorgt werden kann. Umweltexperten der Bundesanstalt für Gewässerkunde und die BfG-Labore waren eingebunden.

Rückblick: auf dem Weg von den USA nach Europa brach am 14. Juli, mitten im Nordatlantik, aus noch ungeklärter Ursache ein Feuer aus. Im Zuge der Löscharbeiten, die sich über Wochen erstreckten, wurden große Mengen Meerwasser zur Brandbekämpfung und zur Kühlung der noch aufgeheizten Container eingesetzt. In den vom Feuer betroffenen Laderäumen sammelten sich mehrere tausend Tonnen Löschwasser, die Ladung stand teilweise unter Wasser. Da sich auf dem Schiff 153 Container mit Gefahrgutklassifizierung befanden, gab es Grund zur Annahme, dass durch den Brand und die Löscharbeiten Teile der transportierten Gefahrgüter in das Löschwasser eingetragen wurden und dieses somit erheblich mit Schadstoffen belastet sein könnte.

Das Havariekommando in Cuxhaven erhielt vom BMVBS den Auftrag, die Bergung des Havaristen zu leiten. Ein Aspekt dabei war die Erfassung und Bewertung der möglichen Gefahren für die empfindliche Meeresumwelt, die nicht nur vom Schiff und der Ladung, sondern auch von der erheblichen Menge Löschwasser ausgingen. Die Einschätzung der Umweltgefahren erfolgte durch das Havariekommando unter Einbeziehung verschiedener Expertenteams und in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und der Umweltexpertengruppe "Folgen von Schadstoffunfällen".

Die BfG ist durch Dierk-Steffen Wahrendorf und Dr. Heiko Leuchs in dieser Expertengruppe vertreten. Diese Gruppe wurde dem Havariekommando vom Bundesumweltministerium und den fünf Küstenländern zur wissenschaftlichen Beratung bei ökologischen Fragen zur Seite gestellt. Aufgabe der Umweltexpertengruppe ist u. a. die Dokumentation der Umweltvorsorge und die Fortentwicklung des Wissens über umweltrelevante Folgen von Unfällen mit Schadstoffen.

Im Zuge der Mitarbeit der BfG in der Umweltexpertengruppe wurden für die Untersuchungen eine Reihe von aquatischer Biotestsysteme zur Einschätzung des Umweltrisikos des Löschwassers eingesetzt. Mit Hilfe dieser biologischen Modellsysteme war es möglich, die Giftigkeit und das Belastungspotential der Löschwasserproben mit noch unbekannter chemischer Zusammensetzung zu erfassen und zu quantifizieren. Im Gegensatz zu chemischen Untersuchungen besteht der Vorteil bei biologischen Testsystemen darin, dass potentielle Wirkungen direkt z. B. über die akute Giftigkeit erfasst werden können. Damit können auch Kombinationswirkungen und Wirkungen unbekannter Stoffe erfasst werden, wie sie z.B. bei einem Brand entstehen, ohne dass die enthaltenen Stoffgruppen bekannt sein müssen.

Das Löschwasser wurde in den BfG-Laboratorien mit insgesamt acht verschiedenen Biotesten untersucht. Diese werden repräsentativ für die unterschiedlichen Trophieebenen der aquatischen Ökosysteme eingesetzt – zudem können so verschiedene Belastungen und Wirkmechanismen charakterisiert werden.

Die untersuchten Löschwasserproben waren weniger giftig als zunächst befürchtet. Auf Grundlage der vorliegenden toxikologischen Untersuchungsergebnisse konnte das Belastungspotential ermittelt werden. Mittels verschiedener Einstufungsverfahren nach deutschen Wasserrecht erfolgte durch die Umweltexpertengruppe die Einschätzung, dass das Löschwasser als „bedenklich“ einzustufen ist und eine fachgerechte Entsorgung des Löschwasser nur über einen spezialisierten Entsorgerbetrieb erfolgen sollte.

Im Zuge der Bergungsarbeiten kam bereits das neue Ölüberwachungsflugzeug (Do228) zum Einsatz, unter anderem um die Schadstoffsituation vor Ort und die Temperaturverteilung des brennenden Havaristen zu untersuchen.

Kühlung der MS Flaminia von einem Schlepper ausKühlung der MS Flaminia von einem Schlepper aus Quelle:  Smit Salvage

Mit der Wärmebildkamera der Do228 sind die noch sehr heißen Container (weiß) gut zu identifizierenMit der Wärmebildkamera der Do228 sind die noch sehr heißen Container (weiß) gut zu identifizieren Quelle:  Havariekommando

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