Navigation und Service

ExtremWetterKongress: Bundeswasserstraßen fit für den Klimawandel machen (12.10.2021)

Der ExtremWetterKongress 2021 war auch in diesem Jahr wieder Treffpunkt für zahlreiche Klimawissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Vom 22. bis 24. September wurde dort über den Klimawandel und extreme Wetterereignisse diskutiert. Mit dabei: Dr. Enno Nilson von der BfG. Der Wissenschaftler nahm die Teilnehmenden mit auf eine virtuelle Reise auf Rhein, Main und Donau unter Klimawandelbedingungen. Sein Fazit: Unsere Verkehrssysteme müssen widerstandsfähiger werden.

Dr. Enno Nilson per Videoschalte auf dem Extremwetterkongress Dr. Enno Nilson per Videoschalte auf dem ExtremwetterkongressDr. Enno Nilson per Videoschalte auf dem Extremwetterkongress Quelle:  Christian Bittcher

Auf der in der HafenCity Hamburg stattfindenden Konferenz trafen sich 390 Fachleute, um unter anderem über den aktuellen Stand der Forschungen, die Verkehrssysteme im Klimawandel und extreme Wetterereignisse zu diskutieren. Mehr als 5.000 Interessierte schalteten sich über den Internet-Livestream dazu. Auf der hochkarätig besetzten Veranstaltung sprachen u. a. der Klimawissenschaftler Professor Mojib Latif, die Vorstandsvorsitzende des Deutschen Klimakonsortiums Professorin Astrid Kiendler-Scharr, der Meteorologe Sven Plöger, und live aus der Arktis der Polarforscher Arved Fuchs. Ein Schwerpunkt während der drei Tage: Wie wirkt sich das veränderte Klima auf die Leistungsfähigkeit der Verkehrssysteme aus? Dr. Enno Nilson sprach für die BfG über dieses wichtige Thema und machte deutlich, dass in Zukunft die Bundeswasserstraßen öfter von Extremereignissen wie Hoch- und Niedrigwasser betroffen sein werden. Zudem beeinflussen steigende Wassertemperaturen auch das Leben am und im Fluss.

Niedrigwasser 2018 am Rhein bei Bonn Niedrigwasser 2018 am Rhein bei BonnNiedrigwasser 2018 am Rhein bei Bonn Quelle:  Dr. Enno Nilson, BfG

Zunahme von Wetterextremen

Der April 2021 war der kälteste April seit 35 Jahren in Deutschland. Der Juli dieses Jahres war gleichzeitig der zweitwärmste Monat in Europa seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Sturzfluten ereigneten sich an Ahr, Erft und weiteren Flüssen in Mitteleuropa. 2021 ist ein Jahr der Wetterextreme. Der Weltklimarat (IPCC) ist sich bei der Einordnung der Ereignisse einig: Wetterextreme werden intensiver und häufiger und lassen sich direkt den von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen zuordnen. Auch extreme Niederschläge wie im Juli 2021 könnten laut einer Attributionsstudie der World Weather Attribution Initiative häufiger werden.

Expertennetzwerk für resiliente Verkehrssysteme

Doch welche Auswirkungen haben Klimawandel und Extremereignisse konkret auf unsere Verkehrssysteme? Und wie können wir diese für die Zukunft resilienter, also belastbarer und widerstandsfähiger, machen? Diese Fragen versuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des BMVI-Expertennetzwerks in dem Themenblock „Verkehrssysteme im Klimawandel“ zu beantworten. So forscht zum Beispiel das Eisenbahnbundesamt an einer Baumerkennung aus der Luft. Bäume, die zu nah an Gleisen stehen, sollen in Zukunft schneller erkannt und davon ausgehende Gefahren schneller beseitigt werden. Die Bundesanstalt für Wasserbau zeigte, wie der Klimawandel niedrige Wasserstände im Tidebereich noch verstärken kann. Verursacher: starker ablandiger Wind, der im Zuge des sich ändernden Klimas noch zunehmen und somit die Schifffahrt weiter einschränken kann. Dr. Enno Nilson von der BfG war per Videokonferenz zugeschaltet und führte die Zuhörer auf eine virtuelle Klima-Reise in die Zukunft auf Rhein, Main und Donau. Exemplarisch an den drei Bundeswasserstraßen erklärte der Wissenschaftler: In der Zukunft ist häufiger mit ausgeprägten Niedrigwasserereignissen zu rechnen. Ein Rückgang des Zuflusses von Gletscherwasser in den Rhein durch Abschmelzen der Gletscher wird diese Situation nochmals verschärfen. Ähnlich ungünstig sieht es beim Hochwasser an der Donau aus. Modellrechnungen für die Zukunft deuten auf eine Verdopplung der Tage hin, an denen der höchste Schifffahrtswasserstand überschritten sein wird. Die Schifffahrt ist also auf mehreren Wegen von den Folgen des Klimawandels betroffen. Für den Klimaexperten steht daher fest: „Wir sollten jetzt den Erkenntnisgewinn nutzen, um Anpassungsmaßnahmen voranzutreiben. Wir sehen hier einen großen Bedarf, die Resilienz der Wasserstraßen zu erhöhen“. Dabei schaue die BfG gezielt auf die ungünstigeren Weiter-wie-bisher- oder RCP-8.5-Klimaszenarien. Wichtig Tatsache hierbei: Auch unabhängig vom Klimawandel können Extreme jederzeit auftreten – auch extremere als bisher beobachtet.

BfG-Vorhersagezentrale BfG-VorhersagezentraleWie lang könnten Niedrigwasserperioden in Zukunft dauern? Die BfG-Vorhersagezentrale Quelle:  Michael Hils, BfG

BfG berät als wichtiger Partner im Behördennetzwerk

Hoch- und Niedrigwasser können also die Schifffahrt in Zukunft stärker einschränken. In diesem Zusammenhang berät die BfG die verantwortlichen Wasserstraßenmanager, schifffahrtsbetreibende Unternehmen und weitere Akteure, wie lang zum Beispiel Niedrigwasserperioden in Zukunft dauern könnten, aber auch, wie sich wichtige ökologische Parameter, darunter Temperatur und Nährstoffgehalt, im und am Fluss verändern könnten. Derartige Informationen stellt die BfG über den DAS-Basisdienst „Klima und Wasser“ bereit. Zusammen mit der Niedrigwasservorhersage ist der Dienst eine wesentliche Maßnahme des Aktionsplans „Niedrigwasser Rhein“ des BMVI.

Ansprechperson: Dr. Enno Nilson

Diese Seite

© 2020 BfG