Navigation und Service

Dem Plastik in der Umwelt auf der Spur (08.07.2021)

Start des internationalen Forschungsprojekts „Land-Based Solutions for Plastics in the Sea (LABPLAS). Die Bundesanstalt für Gewässerkunde ist einer von 15 Projektpartnern und bringt ihre Expertise im Bereich Ökotoxikologie sowie der Konzeption und Leitung von Probenahmekampagnen ein.

Plastikgabel am Strand Plastikgabel am StrandQuelle:  Mima Foto/ EyeEm/Getty Images

Trinkhalme, To-Go-Becher, Luftballonstäbe – all das soll bald der Vergangenheit angehören. Denn viele Einwegplastikprodukte und deren Erzeugung sind seit dem 3. Juli 2021 in der EU verboten. Und das aus gutem Grund: Einwegbecher, Wattestäbchen und Co. machen rund 85 Prozent des Meeresmülls aus. Auch Nord- und Ostsee bilden dabei keine Ausnahme. Weniger Wegwerfartikel aus Kunststoff sind ein wichtiger erster Schritt, um das Müllproblem zu lösen. Verbote alleine reichen jedoch nicht aus. Um den kontinuierlichen Kunststoffstrom in die Umwelt wirksam zu unterbinden, sind detaillierte Kenntnisse zu Quellen, Transportpfaden und den Auswirkungen auf Mensch und Natur unerlässlich. Trotz intensiver Forschung in den vergangenen Jahren sind jedoch noch immer viele Prozesse nicht oder nur unzureichend verstanden.

Eckdaten Projek LABPLAS

Von der Quelle, über das Meer zurück auf den Teller

Licht ins Dunkel soll ein neues Forschungsprojekt der Europäischen Union bringen, dass am 1. Juni seine Arbeit aufnahm. Unter dem Titel „Land-Based Solutions for Plastics in the Sea“, kurz LABPLAS, erforscht ein internationales Konsortium die Quellen, den Transport, die Verteilung und die Auswirkungen der Plastikverschmutzung in allen Umweltkompartimenten (Wasser, Boden und Luft). LABPLAS soll bis Mai 2025 wichtige Daten zu den Wechselwirkungen unterschiedlich großer Kunststoffpartikel erheben und wirksame Managementoptionen für eine Verringerung der Plastikverschmutzung globaler Ökosysteme aufzeigen. Wesentliches Ziel des Projekts ist es, eine wissenschaftliche Datengrundlage für regulatorische Maßnahmen innerhalb der EU zu erarbeiten.

Das Neue an LABPLAS ist, dass erstmals unterschiedliche Umweltkompartimente gemeinsam untersucht werden. Im Fokus stehen dabei sowohl Nano-, als auch Mikro- und Makroplastik. Denn die Kunststoffteilchen stehen im Verdacht, je nach Größe unterschiedliche negative Auswirkungen auf Natur und Umwelt zu verursachen.

Mit der Bundesanstalt für Gewässerkunde beteiligen sich insgesamt 15 Einrichtungen aus acht Nationen an dem Projekt. Aus Deutschland engagieren sich auch das GEOMAR in Kiel, das IOW in Rostock und das Unternehmen BASF in Ludwigshafen. In LABPLAS bringt die BfG ihre Expertise in vier verschiedenen Arbeitspaketen ein: Unter anderem übernimmt sie die Koordination des Arbeitspakets „Field sampling“, ist für die Planung und Durchführung mehrerer Probenahmekampagnen an der Elbe verantwortlich und führt an ausgewählten Modellorganismen ökotoxikologische Untersuchungen mit sehr kleinen Plastikpartikeln durch.

Mikroplastik in Bundeswasserstraßen

Ein wichtiger Eintragspfad für Plastik in die Meere sind Flüsse und damit auch die Bundeswasserstraßen. Die BfG forscht daher bereits seit vielen Jahren zu unterschiedlichen Facetten der Kunststoffbelastung in den großen Fließgewässern in Deutschland. Beispielsweise arbeiteten Forscherinnen und Forscher der BfG im Projekt "MicBin" an der Bilanzierung von Mikroplastikeinträgen in die Donau als Grundlage für eine Gefährdungsabschätzung und die Ableitung von Minderungsmaßnahmen. Die Ergebnisse des Projekts wurden im Frühjahr 2021 im Rahmen einer Abschlussveranstaltung der Öffentlichkeit vorgestellt.

Parallel zu LABPLAS wird derzeit in dem Projekt „Plastikfracht im Rhein“ eine systematische Erfassung der Kunststofffracht im Rhein unter Berücksichtigung der horizontalen und vertikalen Verteilung von Mikroplastik in der Wassersäule bei verschiedenen Abflusssituationen erstellt.
Auch an der Elbe wird aktuell geforscht: In dem Projekt „Mikro- und Makroplastik in Bundeswasserstraßen“ geht es um eine Zustandsbeschreibung, eine Bilanzierung und Modellierung des Eintrags und des Verbleibs von Mikro- und Makroplastik in den Bundeswasserstraßen sowie das Aufzeigen ökologischer Risiken und Managementoptionen am Beispiel der Elbe.

Ansprechperson: Dr. Friederike Stock und Dr. Georg Reifferscheid

Diese Seite

© 2020 BfG