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Symposium „Die Chemische Monitoring Station der Zukunft“ (21.04.2021)

200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 15 Ländern folgten der Einladung der BfG zum internationalen Symposium "The Chemical Monitoring Station of the Future", das vom 13. bis 15. April 2021 stattfand. Die online basierte Umsetzung ermöglichte per Klick die Teilnahme an fünf Keynote-Vorträgen und 15 Präsentationen, unabhängig vom Wohn- oder Standort. Mobiles Monitoring, Echtzeitanalyse und Datenverarbeitung standen an diesen drei Tagen auf der Agenda. Das praxisorientierte Programm bot Einblicke in aktuelle Projekte und vereinte die Perspektiven von Industrie, Behörden und Forschungseinrichtungen. Networking und Austausch fanden in mehreren Breakout-Session-Räumen statt.

Für Lars Duester, fachlicher Gastgeber der BfG und Leiter des Referates G4 der BfG, vereint die chemische Messstation der Zukunft Innovationen aus den verschiedenen Fachgebieten. Der Entwicklungsprozess werde in naher Zukunft an Dynamik gewinnen: wenn es um die Echtzeitbewertung des chemischen Zustands geht; mit den Inline-, Atline- und Online-Methoden; mit Echtzeitanalyse und gefördert durch das steigende gesellschaftliche Bewusstsein für Wasserqualität. Daher müsse die zeitnahe Datenauswertung und -bereitstellung inkl. Datenverifizierung in naher Zukunft intensiviert werden. Der Wissensaustausch zwischen Industrie, Start-ups, Wissenschaft, Forschung und den staatlichen Akteuren sei in der kommenden sehr spannenden Zeitspanne extrem wichtig, um gemeinsam innovative Ansätze zu entwickeln und nutzbar zu machen.

Werner Blohm, Institut für Hygiene und Umwelt, Hamburg, berichtete von seinen langjährigen Erfahrungen aus dem Hamburger Wassergütenetzwerk. Er stellte fest, dass die Stärke der Messnetze in der Beobachtung der Dynamik in den Flusssystemen liegt. Dazu gehören u.a. die kontinuierliche Messung (Kurz- und Langzeitbeobachtung und -auswertung) und die Möglichkeit, größere Zeiträume dokumentieren zu können sowie die automatische Probenahme (inkl. Passivsammler) als wichtige Aufgaben der Messstationen. Um die Aufgaben in den Messstationen auch in Zukunft wahrnehmen zu können, wäre es sehr zu begrüßen, wenn die Zusammenarbeit der Messstationsbetreiber ein Netzwerk zum Erfahrungsaustausch weiterentwickeln würde. Das Ziel sollte ein Netzwerk "Automatischer Messplätze" sein.

Christian Degel, Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik, reflektierte die aktuellen Systeme und Methoden für die autonome Überwachung von Binnengewässern. Hier könnten wir viel von den Erfahrungen aus dem Ozean-Monitoring profitieren, aber es bedürfe einer Systemanpassung, insbesondere für Wasserstraßen, wo der Platz knapp und die Rechte komplex seien.

Monika Wortberg, BASF SE, fasste die Vor- und Nachteile von Analytik 4.0 aus Sicht der Industrie zusammen. Sie sieht die Automatisierung und Analytik 4.0 als „Enabler“: Mit der gleichen Anzahl von Personen könne eine Vielzahl von Analysen durchgeführt werden, als dies konventionell möglich gewesen wäre; einfache Routineaufgaben werden automatisiert, komplexere Aufgaben werden stattdessen von den beteiligten Personen durchgeführt. Daraus ergebe sich ein strategischer Vorteil.

Tobias Bader, Zweckverband Landeswasserversorgung, berichtete über seine praktischen Erfahrungen zu Überwachungsstrategien und Prozesssteuerung in der Trinkwasseraufbereitung durch Sensor- und Nicht-Sensor-Daten und betonte die Notwendigkeit der laborübergreifenden Verarbeitung von Überwachungsdaten. Durch solche Ansätze werde eine schnelle Verfolgung von organischen Emissionen möglich und könne helfen, die Oberflächen- und Trinkwasserqualität zu schützen.

Eric Compas, University of Wisconsin-Whitewater, zeigte in seinem Vortrag "Testing the waters: Real-time mapping of water chemistry on the Rock River, Wisconsin, USA", wie die Wissenschaft durch die Steigerung des gesellschaftlichen Bewusstseins für Wasserqualität im Sinne der Bürgerwissenschaften unterstützt werden könne. Die Rock River Coalition diente als ein Beispiel. Visualisierungsthemen, Prozessoptimierung und natürlich die Datenqualität sind aus seiner Sicht die gemeinsamen Herausforderungen.

Neben den Keynotes und dutzenden weiteren Vorträgen, die jeweils viele Denkanstöße lieferten, förderten die Postersessions den wertvollen Austausch. Die BfG hat sich sehr gefreut, William Shotyk von der University of Alberta, Kanada, dabei als Diskussionsteilnehmer begrüßen zu dürfen. Er trug mit seinem umfangreichen Wissen und seiner Erfahrung auf dem Gebiet der Metall(loid)spurenanalytik bei und präsentierte das Poster "A dedicated "clean lab" sampling facility for studying the natural filtration of trace metals by soils: the artesian springs of the Elmvale Groundwater Observatory".

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Symposium eine außergewöhnliche Gelegenheit war, sich über unsere Wahrnehmung eines sich schnell entwickelnden Tätigkeitsfeldes auszutauschen, das durch technische Innovationen unserer Gesellschaft als Ganzes angetrieben wird, und wir wurden uns über mögliche Wege und Lösungen klarer. Ein Symposium lebt vor allem vom persönlichen Austausch. Gastgeber Lars Duester resümierte, dass es gerade angesichts des Mangels an persönlichen Treffen sehr wichtig ist, den Austausch zu suchen, sich zu vernetzen, im Gespräch zu bleiben und den technischen Fortschritt, der auch durch die Pandemie gefördert wird, sinnvoll zu nutzen. Das als digitaler Treffpunkt organisierte Symposium sei ein wichtiger Beitrag und Schritt in die richtige Richtung. Er stellte in Aussicht, dass im Zuge einer möglichen Projektfortführung von MONDE an der BfG eine Neuauflage des Symposiums mit einem anderen Schwerpunkt geplant werden könnte.

Die BfG bedankt sich bei allen Referentinnen und Referenten, Moderatorinnen und Moderatoren und natürlich bei dem tollen Publikum, das den engagierten Austausch erst möglich gemacht hat!

Ansprechpartner: Dr. Julia Arndt und Dr. Julia Kirchner

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