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Hydrologisches Silvester läutet neue Langzeitmessperiode 2021–2050 ein (23.11.2020)

Am 31. Oktober endete das hydrologische Jahr 2020. Dieses Mal war es ein besonderer Jahreswechsel: Mit dem „hydrologischen Silvester“ beginnt nicht nur das neue hydrologische Jahr 2021, sondern auch eine neue 30-jährige klimatologische Normalperiode. Auf die BfG wartet nun jede Menge Arbeit. Denn eine erste Analyse der Datensätze aus der vergangenen Referenzperiode 1991–2020 zeigt bereits deutlich: Der Klimawandel hat schon jetzt Einfluss auf die Wasserbilanzen in Deutschland genommen.

Die BfG erstellt seit vielen Jahrzehnten Klimatologien der wichtigsten Wasserhaushaltsgrößen für Deutschland. Klimatologien sind Auswertungen meteorologischer aber auch hydrologischer und ozeanographischer Beobachtungsdaten über lange Zeiträume, den 30-jährigen sogenannten klimatologischen Normalperioden. Diese Perioden werden von der Weltorganisation für Meteorologie als weltweit einheitliche Bezüge für die Klimabeobachtung festgelegt. Durch die langjährigen Auswertungen können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum Beispiel Anomalien, also Abweichungen vom Mittelwert, aber auch dauerhafte Veränderungen von Hoch- und Niedrigwassersituationen einordnen, und den Klimawandel und dessen Folgen auf die Verdunstungsraten, die Wasserbilanz und das Abflussgeschehen der Bundeswasserstraßen besser einschätzen.

Hydrologen feiern Silvester bereits Ende Oktober

Für den Gewässerkundler folgt ein Jahr innerhalb dieser klimatologischen Normalperioden jedoch nicht dem normalen gregorianischen Kalender. Für hydrologische Abläufe ist nämlich nicht unbedingt der kalendarische Jahreswechsel am 31. Dezember entscheidend. Vielmehr ist es der Zeitpunkt, in dem sich nach eher wasserzehrenden Sommermonaten die Wasservorräte in Flüssen und Seen, aber auch im Grund- und Bodenwasser in den Herbst- und Wintermonaten üblicherweise wieder auffüllen. In Mitteleuropa ist daher der Übergang vom hydrologischen Sommer (Mai bis Oktober) in den Winter (November bis April) der 31. Oktober – das Silvester für die BfG-Hydrologen. Das Besondere in diesem Jahr: Gleichzeitig mit dem „hydrologischen Silvester“ endet die klimatologische Normalperiode 1991–2020.

Wie haben sich nun die natürlichen Wasservorräte in Deutschland geändert? Die Referenzperioden 1931–1960 und 1961–1990 sind bereits in hydrologischen Karten hinterlegt. Für die dieses Jahr abgelaufene Periode 1991–2020 arbeitet die BfG bereits auf Hochtouren daran, die großen Datensätze aufzubereiten.

Die Folgen des Klimawandels sind bereits deutlich zu sehen

Auch wenn es noch einige Zeit dauern wird, bis diese Daten geprüft und veröffentlicht sind, ist eine Vorschau schon jetzt möglich. Ein erster Vergleich der jüngsten klimatologischen Normalperiode 1991–2020 gegenüber der bisherigen Periode 1961–1990 zeigt, wie der Klimawandel sich bereits auf die Wasserbilanz bzw. das Abflussgeschehen auswirkt.

Im Jahresmittel haben die Abflüsse zwischen 5 % und 10 % abgenommen. Hier schlagen insbesondere die letzten, teilweise extrem trockenen Jahre zubuche, die besonders an Weser und Elbe zu sehr geringen Niedrigwasserabflüssen geführt haben. An Rhein und Donau hingegen fallen die Änderungen relativ moderat aus, obwohl auch hier in Einzeljahren extreme Niedrigwassersituationen auftraten – zum Beispiel 2003 und 2018. Ein Vergleich der mittleren Hochwasserabflüsse der zwei Perioden 1961–1990 und 1991–2020 zeigt: Besonders an Donau und Elbe nahm der Abfluss zu. Hier spielten sich mehrere große Hochwasser ab (zum Beispiel 2002, 2006 und 2013).

Neuer Klimaberatungsdienst der BfG

Die vorläufigen Auswertungen der Daten zeigen: Die langfristigen Mittelwerte haben sich verändert. Dabei ist der Klimawandel erkennbar. Die BfG ist dabei, alle relevanten hydrologischen Informationen zusammenzustellen, um den stattfindenden Klimawandel und die Folgen für den Wasserhaushalt und die Wasserwirtschaft aufzuzeigen. Hierfür steht ein neu eingerichteter Klimaberatungsdienst zur Verfügung, in den die Daten einfließen. Dieser soll Universitäten und Forschungsinstitutionen, Landes- und Bundesbehörden, der Wirtschaft aber auch interessierten Bürgern einen Zugang zu den aktuellen Daten und Erkenntnissen der Klimafolgenforschung geben.

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