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Volkszählung bei den Seehunden in der Tideelbe (28.02.2020)

Wie viele Seehunde halten sich auf den Wattflächen der Tideelbe auf? Dieser Frage gingen BfG-Wissenschaftler nun erstmals nach und ließen die Tiere ein Jahr lang zwischen August 2018 und Juli 2019 auf ihren Liegeplätzen zwischen Wedel und Cuxhaven zählen. Die Ergebnisse sind nun in einem Bericht veröffentlicht.

Schon seit Jahrzehnten sammeln Wissenschaftler Informationen über Bestand und Liegeplätze von Seehunden im Wattenmeer. Doch die Tiere dringen auch in die angrenzenden Ästuare – vor allem in die Tideelbe – vor. Dort sind ihr Bestand sowie die genaue Position ihrer Liegeplätze und deren Veränderung im Jahresverlauf jedoch weitgehend unbekannt. Daher fand jetzt erstmalig im Auftrag der BfG die systematische Erfassung der Seehunde in der Tideelbe statt. Wissenschaftler fotografierten für die BfG von einem Beobachtungsflugzeug aus die Tiere bei Niedrigwasser auf ihren Liegeplätzen. Anschließend konnten die Forscher die Seehunde anhand der Bilder identifizieren und zählen.

Der untersuchte Bereich umfasste das Gebiet vom Mühlenberger Loch bis zur Elbmündung. Dr. Thomas Taupp von der BfG: „Eigentlich weiß man schon seit langem, dass die Seehunde vom Wattenmeer in die Tideelbe wandern.“ Wieviel Tiere sich dort aufhielten und wo sich diese befänden waren aber bis jetzt nicht bekannt. Dabei sind diese Informationen ein wichtiger Hinweis für den Zustand der Tideelbe. Denn Seehunde sind sensible Bioindikatoren und lassen beispielsweise Rückschlüsse auf die Wasserqualität und die Fischbestände zu.


Verbesserter Schutz für Seehunde

In den Monaten Januar bis Mai sowie von September bis Dezember zählten die Wissenschaftler pro Flug jeweils 65 bis 212 Seehunde. Zur Wurfzeit im Sommer zeigte sich dann ein deutlicher Anstieg auf 531 Tiere im Juni und 526 Tiere im Juli. Im August, während des Fellwechsels der Seehunde, sank die Zahl dann auf nur 280 Tiere. Erfreulich war die große Anzahl an Jungtieren: Im Juni 2019 waren unter den 531 erfassten Seehunden 202 Jungtiere. Diese hielten sich fast ausschließlich im Mündungstrichter der Elbe auf. Einzige Ausnahme: Eine kleine Robbe lag auf den Watten nahe der Wischhafener Süderelbe/Brammer Sand gegenüber von Glückstadt.

Zusammen mit den Ergebnissen der trilateralen, länderübergreifenden Robbenzählungen im Wattenmeer kann zukünftig die Raumnutzung und die Bestandsentwicklung der Robben besser eingeschätzt werden. Positiver Nebeneffekt dabei: Auch der Tierschutz profitiert von den neuen Daten. Denn bei Unterhaltungsmaßnahmen wie z.B. Baggertätigkeiten kann jetzt noch mehr Rücksicht auf die Tiere genommen werden.

Ansprechpartner: Dr. Thomas Taupp (taupp@bafg.de), apl. Prof. Dr. Jochen Koop (koop@bafg.de)

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