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Wie wirkt sich der Klimawandel hierzulande auf den Wasserhaushalt und den Meeresspiegel aus? BfG-Experten arbeiten mit am Monitoringbericht der Bundesregierung (18.12.2019)

Die Bundesregierung hat jetzt den zweiten Monitoringbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) vorgelegt. Der Bericht 2019 informiert unter anderem über die Folgen für den Wasserhaushalt im Binnen- und Küstenbereich sowie über den Meeresspiegelanstieg; zwei Themenfelder, die BfG-Wissenschaftler mit aufbereitet haben. Zurzeit arbeiten unsere Experten daran, Satellitendaten für ein künftiges Monitoring zu erschließen.

Der Monitoringbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel ist jetzt erschienen. Monitoringbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den KlimawandelDer Monitoringbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel ist jetzt erschienen. Quelle:  UBA

Der DAS-Monitoringbericht 2019 zeigt: Ausmaß und Folgen der Erderwärmung in Deutschland sind bereits deutlich spürbar. So hat sich laut dem Bericht die Lufttemperatur in Deutschland von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht. Allein in den vergangenen fünf Jahren ist die Lufttemperatur dabei um 0,3 Grad Celsius gestiegen.

Dies hatte in Kombination mit einer Häufung von sonnenscheinreichen und niederschlagsarmen Jahren zuletzt weitreichende Folgen beispielsweise für die Wasserverfügbarkeit. So kam es zu einer Abnahme des Wasserdargebots in den hydrologischen Sommerhalbjahren sowie zum Auftreten einzelner ausgeprägter Niedrigwasserjahre. Diplom-Meteorologe Peter Krahe erklärt: "Solche Situationen beeinträchtigen die Ökosysteme, schränken die Schifffahrt ein und gefährden die Versorgung von Kraftwerken und Industrie mit Kühlwasser. Sie können aber auch die Trink- und Brauchwasserversorgung beeinträchtigen, wenn die Grundwasserstände in Ufernähe absinken." So zeigt denn auch die Auswertung von 136 Grundwassermessstellen eine signifikante Häufung der Anzahl der Monate mit unterdurchschnittlich niedrigen Grundwasserständen im Vergleich zum langjährigen Mittel.

Auf der anderen Seite schmelzen die polaren Gletscher und speisen die Meere mit zusätzlichem Schmelzwasser. "Durch die steigenden Wassertemperaturen dehnt sich das Meerwasser gleichzeitig aus, so dass der Meeresspiegel von Nord- und Ostsee steigt", sagt BfG-Küstenhydrologe Dr. Hartmut Hein. "Sturmfluten haben dadurch ein höheres Ausgangsniveau und laufen höher auf."

Insgesamt zeigt der Bericht auch geeignete Anpassungsmaßnahmen auf. So sollen im Bereich der Küstenökosysteme etwa Ausweichhabitate für die vom Meeresspiegelanstieg betroffenen Lebensgemeinschaften geschaffen werden, so die Verantwortlichen.

"Die Änderungen der Lufttemperatur sind signifikant. Andere mit dem Monitoring erhobene Daten, erlauben oft noch keinen statistisch abgesicherten Zusammenhang der beobachteten Phänomene zum Globalen Klimawandel“, erläutert Krahe. "Hierzu sind bei der großen Variabilität von Wasserhaushaltsgrößen die betrachteten Zeitreihen noch zu kurz." Dennoch: Mit den Berichten wurden und werden wichtige datentechnische und methodische Grundlagen gelegt, um die Folgen von Klimaänderungen für viele Lebens- und Umweltbereiche zukünftig immer besser aufzuzeigen bzw. zu dokumentieren.

Anders ist es beim Monitoring des Meeresspiegels, für das teilweise längere Zeitreihen vorliegen. Wissenschaftler der BfG können hier einen eindeutigen Trend zu höheren Wasserständen an der Küste erkennen. Gleichzeitig gibt es weite Küstenbereiche die zusätzlich von Landsenkungen betroffen sind. "Während global ein beschleunigter Meeresspiegelanstieg gemessen wird, ist ein beschleunigter Anstieg für die deutsche Küste derzeit noch nicht nachweisbar. Für diesen Nachweis fehlen noch die Methoden, um die Vielfalt der Prozesse zu trennen", so Hein.

Der DAS-Monitoringbericht wird alle vier Jahre vom Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung erstellt, welches im Umweltbundesamt angesiedelt ist. Unterstützung leisten 30 Bundes- und Landesbehörden, so auch die Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), verschiedene Universitäten und Fachverbände. Neben dem Themenschwerpunkt Wasser werden auch die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, auf Landwirtschaft und Fischerei, auf Wald- und Forstwirtschaft, auf die Biodiversität, die Energiewirtschaft sowie auf Siedlungen, Verkehr und Raumordnung beschrieben.

Der DAS-Monitoringbericht basiert dabei auf einem Indikatorensystem für die jeweiligen Handlungsfelder. Hierbei geht es darum, für jedes Phänomen, beispielsweise für das Hochwassergeschehen, nur einen Kennwert zu finden, der die Hochwassersituation in den deutschen Flusseinzugsgebieten sowie deren zeitliche Variabilität ausreichend gut beschreibt. Für unsere Wissenschaftler ist deshalb nach dem Bericht auch schon wieder vor dem Bericht. So haben unsere Forscher längst die Indikatoren für den Bericht 2023 sowie eine Verbesserung von Datengrundlagen und Methoden im Blick. Fernerkundler Björn Baschek: "Insbesondere für Wassertemperaturen, aber auch für Schnee und die Bodenfeuchte werden bisher kaum flächendeckende Daten verwendet. Die BfG erforscht deshalb das Potential von Fernerkundungsmethoden und die mögliche Einbindung von Satellitendaten bzw. daraus abgeleiteten Größen für das großflächige Monitoring." BfG-Ökologe Helmut Fischer ergänzt: "Die BfG betreibt außerdem Langzeitmessungen der Wassertemperatur und der Entwicklung von Planktonalgen und Cyanobakterien in Bundeswasserstraßen. Diese könnten zukünftig ebenfalls in den Monitoringprozess eingebracht werden."

Ansprechpartner: Dr. Hartmut Hein (hein@bafg.de) und Peter Krahe (krahe@bafg.de) sowie Dr. Björn Baschek (baschek@bafg.de) und Dr. Helmut Fischer (helmut.fischer@bafg.de)

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