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Perspektiven für eine zukunftsorientierte Flusspolitik (12.03.2018)

„Wissenschaft und Forschung als Basis für eine zukunftsorientierte Flusspolitik“ – so der Titel eines Vortrags, den die Leiterin der BfG, Dr. Birgit Esser, am 30. Januar als Teil der KIT-Vortragsreihe „Climate and Environmental Lectures“ hielt. Das Video zum Vortrag ist nun online verfügbar.

Mehr als hundert Gäste waren in den Gartensaal des Schlosses in Karlsruhe gekommen, um den Vortrag über Hindernisse und Lösungen einer zukunftsorientierten Flusspolitik zu hören. „Staatliches Handeln bedarf der Expertise aus Wissenschaft und Forschung“, postulierte Birgit Esser zu Beginn ihres Vortrages. Eine besondere Bedeutung habe die Rolle von Wissenschaft und Forschung als Basis für eine gemeinsame Perspektive aller beteiligten Akteure an Flüssen und deren Einzugsgebieten. Dies sei eine der wesentlichen Grundlagen zur Bewältigung der vielfältigen Nutzungskonflikte in der Gewässerbewirtschaftung. Dabei wurde die besondere Rolle der Ressortforschung im Wissenschaftssystem Deutschland herausgestellt. Auch die Bundesanstalt für Gewässerkunde zählt zu den Einrichtungen des Bundes mit Forschungs- und Entwicklungsaufgaben (Ressortforschungseinrichtungen).

Gesellschaftlicher Wandel und sein Einfluss auf die Gewässerentwicklung

„Flüsse sind sich verändernde Systeme, geprägt durch den gesellschaftlichen Wandel“, legte Birgit Esser dar. In ihrem Vortrag nahm die BfG-Leiterin ihre Zuhörer mit auf eine Zeitreise von den Anfängen der Gewässerentwicklung in der Zeit der Industrialisierung im frühen 18. Jahrhundert bis hin zu den Herausforderungen, die heute an Gewässern bestehen. Verschmutzungen durch biologisch schwer abbaubare Tenside und sich daraus auftürmende Schaumberge gehörten bis in die 1950er Jahre vielerorts ebenso zum Alltag an großen Flüssen, wie Stoffeinträge aus ungereinigten Abwässern. In dieser Zeit begann ein Bewusstseinswandel hin zu mehr Umweltschutz und Gewässerreinhaltung, der die heutige Wasserbewirtschaftung maßgeblich beeinflusst. Der Nuklearunfall von Tschernobyl und der Sandoz-Großbrand, beide 1986, waren fatal, mobilisierten aber andererseits Kräfte in der Gesellschaft. Letztendlich führte das gestiegene Umweltbewusstsein zu wasserbezogenen Richtlinien der Europäischen Union, wie FFH- oder Wasserrahmen-Richtlinie.

Flüsse heute

Die Gesellschaft stellt heute neue Ansprüche an die Flussregionen in Deutschland, da sie als „Multifunktionsräume“ Lebens-, Erholungs- und Wirtschaftsraum zugleich sind. Daraus ergeben sich konkurrierende Interessen, die eine breit angelegte Beteiligung aller Interessensgruppen erforderlich machen.

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen sieht ungelöste Umweltprobleme unter anderem in den Bereichen Biodiversität, Chemikalien und Klimawandel. Daher lag ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags auf wissenschaftlichen Beiträgen, die Lösungen auf diese Herausforderungen liefern. Themenfelder wie die Renaturierung von Fließgewässern und deren ökologische Durchgängigkeit, neuartige Schadstoffe, die kontinuierlich über Kläranlagen und diffuse Quellen in die Oberflächengewässer – mit zum Teil gravierenden Auswirkungen auf die dort lebenden Biozönosen – emittiert werden oder Beiträge zur Klimafolgenabschätzung sind von besonderer Relevanz.

Wie kann Wissenschaft Wirkung erzielen?

„Allerdings wäre es vermessen zu glauben, dass wissenschaftliche Ergebnisse unmittelbar und vollständig in politisches Handeln umgesetzt werden können“, relativiert Birgit Esser zum Ende ihres Vortrags den Einfluss der Wissenschaft auf die Politik. Jedoch stellt die wissenschaftliche Expertise die bestmögliche Basis für den gesellschaftspolitischen Abwägungsprozess und für politische Entscheidungen dar. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde als Ressortforschungseinrichtung für die Bereiche Hydrologie, Gewässernutzung, Gewässerbeschaffenheit sowie Ökologie und Gewässerschutz hat hierbei eine wichtige Rolle und ist damit ein wesentlicher Akteur bei der Gestaltung zukünftiger Flusspolitik.

Der vollständige Vortrag von Dr. Birgit Esser ist als Video (s. u.) aufrufbar.

Dr. Birgit Esser bei ihrem VortragDr. Birgit Esser bei ihrem Vortrag

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