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Einfluss von Schiffswellen auf die Ufervegetation

Schiffswellen stellen für die Wasser- und Ufervegetation eine Belastung dar. Bei den großen Güterschiffen bestehen diese Wellen aus einem schiffsnahen Absunk und kurzperiodischen Sekundärwellen geringer Höhe. Fahrgastschiffe und Sportboote erzeugen überwiegend nur Sekundärwellen. Insbesondere beim Brechen dieser Sekundärwellen treten turbulente Strömungen auf, deren mechanische Energie Tiere verdriftet, Pflanzenteile beschädigt oder Bodenpartikel auswäscht.

Brechende Sekundärwelle und blühende Schwanenblume am Ufer der Flusshavel zwischen Brandenburg und PotsdamBrechende Sekundärwelle und blühende Schwanenblume am Ufer der Flusshavel zwischen Brandenburg und Potsdam

Zusammen mit der BAW und dem WNA Berlin untersuchen wir an der Flusshavel (UHW km 32 – 54) den Einfluss von Schiffswellen der Berufsschifffahrt auf die Ufervegetation. Die Flusshavel wird von der Berufsschifffahrt genutzt, und in unterschiedlicher Entfernung zur Fahrrinne kommt eine naturnahe Ufervegetation vor. Deswegen ist sie für die Bearbeitung dieser Fragestellung besonders gut geeignet.

Die Ufervegetation der Flusshavel wird seit dem Jahr 2004 mit flächendeckenden Kartierungen, der Beobachtung von Referenzstrecken und auf 15 Dauerflächen untersucht. Die so erhobenen Daten wurden mit Berechnungen der BAW zur schiffserzeugten Wellenhöhe verschnitten. Erste Ergebnisse zeigen, dass naturnahe Vegetation vor allem Standorte mit einer berechneten Wellenhöhe kleiner als 20 cm besiedelt. Stärker wellenexponierte Ufer sind oft durch Deckwerke gesichert und tragen deshalb eine naturfernere Vegetation (SUNDERMEIER et al. 2008).

Das Schilf-Röhricht ist die flächenmäßig wichtigste naturnahe Vegetationseinheit der Ufer. Während das Schilf (Phragmites australis) als dominante Art eine gewisse Toleranz gegenüber Wellenschlag besitzt, reagieren einige das Röhricht begleitende Pflanzenarten deutlich empfindlicher. Die quantitativen Zusammenhänge sind noch nicht abschließend untersucht. Am Beispiel zweier krautiger Arten, des Sumpf-Ziests (Stachys palustris) und des Bittersüßen Nachtschattens (Solanum dulcamara), lässt sich der derzeitige Wissensstand verdeutlichen. Wir haben das Vorkommen dieser beiden Arten in den 15 Dauerflächen untersucht. Die Dauerflächen umfassen jeweils 10 m Uferlänge, sind entlang eines Wellenschlagsgradienten mit Wellenhöhen von 1 bis 30 cm angeordnet und mit Schilf-Röhricht bewachsen.

Bestandsrand am Mittelpunkt der DauerbeobachtungsflächeBestandsrand am Mittelpunkt der Dauerbeobachtungsfläche Nr. 15. Im Unterwuchs des Schilfs hat sich Sumpf-Ziest angesiedelt. Quelle:  Büro Bischoff & Partner, Stromberg

Die Untersuchung des Sumpf-Ziests und des Bittersüßen Nachtschattens zeigt: mit steigender Wellenbelastung nimmt die Wahrscheinlichkeit ab, eine dieser beiden Pflanzen als Begleiter des Schilfs anzutreffen.

DiagrammSumpf-Ziest und Bittersüßer Nachtschatten in 15 mit Schilf bewachsenen Dauerflächen. Wellenbelastung „sehr gering“ bis 10 cm Wellenhöhe, „gering“ 10 bis 20 cm, „mittel“ 20 bis 30 cm. n= Anzahl der Dauerflächen.

Literatur:
SUNDERMEIER, A., SCHRÖDER, U. & B. WOLTERS (2008): Die Ufervegetation der Unteren Havel-Wasserstraße (UHW-km 32,61 bis km 54,25) unter dem Einfluss des Wellenschlags – Erste Ergebnisse eines Langzeitmonitorings. – In: Naturschutz und Biologische Vielfalt 60: 93-98.

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