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Technisch-biologische Ufersicherungen an Bundeswasserstraßen

Um der hydraulischen Belastung durch Schifffahrt und Hochwasser standhalten zu können, sind viele Uferabschnitte von Bundeswasserstraßen durch Deckwerke (z. B. Steinschüttungen) gesichert. Da bei Ausbau und Unterhaltung der Bundeswasserstraßen ökologische Belange immer stärker zu berücksichtigen sind, kommen zunehmend alternative technisch-biologische Ufersicherungen an Stelle rein technischer Befestigungen in Betracht – sofern die Bedingungen vor Ort ihren Einsatz zulassen. Daher ist es wichtig, die bundesweit vorhandenen praktischen Erfahrungen aufzubereiten.

Die BfG bearbeitet seit 2004 zusammen mit der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) ein Forschungsvorhaben, das die Anwendbarkeit technisch-biologischer Ufersicherungen an unterschiedlichen Wasserstraßen unter hydraulischen, ökologischen und naturschutzfachlichen Aspekten untersucht. Für die Versuchsstrecke Stolzenau in einem staugeregelten Abschnitt der Mittelweser liegen dazu umfangreiche Erkenntnisse vor. Der Bericht dazu findet sich im gemeinsamen Internetportal von BAW und BfG.

Eine weitere Versuchsstrecke wurde vom WSA Mannheim als Projektträger, den beiden Bundesanstalten BAW und BfG und zwei Planungsbüros am Rhein geplant und im Herbst 2011 ausgeführt. Sie liegt in der Nähe von Worms, Rhein-km 440,6 – 441,6 am rechten Ufer. Hoher Schiffsverkehr und ausgeprägte natürliche Wasserstandsschwankungen belasten die Böschung hier besonders stark. Auf einem Kilometer Uferlänge wurde die bisherige, überwiegend bewuchsfreie Steinschüttung in 9 Versuchsfeldern (VF) umgestaltet.

In 4 Versuchsfeldern wird der Uferschutz durch pflanzliche Elemente, z. B. Weidenspreitlagen, oder durch eine Kombination pflanzlicher und technischer Elemente wie Röhrichtgabionen gewährleistet (Bilder 2 - 4).

Bilder der VersuchsstreckeUrsprüngliche Steinschüttung (1), Weidenspreitlagen nach Einbau im Herbst 2011 (2), Weidenspreitlagen im Juli 2012 (3), Röhrichtgabionen (unten) und Steinmatratzen (4), Flachwasserzone und Weidensetzstangen (5), Kiesüberdeckung und Faschinenbündel (6)

In den anderen 5 Versuchsfeldern wird die vorhandene Steinschüttung ökologisch aufgewertet, z. B. durch

  • Anlage eines dem Ufer vorgelagerten inselartigen Steinwalls zur Ausbildung einer Flachwasserzone (Bild 5)
  • Einbringen austriebsfähiger Weidensetzstangen in die Steinschüttung (Bild 5)
  • Einbau von Totholzstämmen mit ihren Wurzeltellern im Bereich der Flachwasserzone oder Bündeln von Reisigfaschinen im Bereich der Mittelwasserlinie (Bild 6)
  • Überdeckung der Steinschüttung mit Kies (Bild 6)

Durch die eingebrachten Weidensetzstangen, Weidenfaschinen und die angepflanzten standortheimischen Sträucher erhöht sich die pflanzliche Vielfalt der Ufer. Darüber hinaus wird Nistmöglichkeit, Nahrungsgrundlage und Lebensraum für zahlreiche Tierarten geschaffen. Die Flachwasserzone und Totholzstrukturen ermöglichen z. B. günstige Aufwuchsbedingungen für Jungfische oder bieten ihnen Schutz vor Fressfeinden. Die Schwankungen der Wasserstände und Strömungsgeschwindigkeiten sorgen für Umlagerungen des kiesigen Materials – auch im Unterwasserbereich. Dies ist von besonderer Bedeutung für Fischarten, die Kies als Laichsubstrat benötigen.

Von überwiegend bewuchsfreien, kiesigen Flächen im Böschungsbereich profitieren verschiedene Vogelarten, Spinnen und Insekten. Reptilien, wie die Zauneidechse, nutzen offene Bereiche als Sonnenplatz.

Die Versuchsstrecke wird in den nächsten 5 Jahren von einem umfangreichen technischen, vegetationskundlichen und faunistischen Monitoring begleitet, um Aussagen über die ufersichernde und ökologische Entwicklung zu erhalten. Langfristiges Ziel ist es, der WSV auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Empfehlungen zur Anwendung technisch-biologischer Ufersicherungen zur Verfügung zu stellen.

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