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Projekt "I-Hex"

Gamma-HCH, besser bekannt als "Lindan", ist ein Insektizid, welches in der Landwirtschaft wegen seiner Giftigkeit europaweit nicht mehr angewendet werden darf. Am Chemiestandort Bitterfeld-Wolfen wurde es bis in die 1980er Jahre produziert. Dabei fielen als unerwünschte Nebenprodukte verschiedene HCH-Isomere an, die überwiegend in der Umgebung abgelagert wurden, aber zum Teil auch direkt in die Umwelt gelangten. Das Projekt I-Hex untersucht das Verhalten dieser HCH-Isomere in der Umwelt.

Isomere sind Varianten chemischer Verbindungen mit gleicher Summenformel, aber unterschiedlicher chemischer Struktur. Bei der Lindan-Produktion entstanden die HCH-Isomere Alpha, Beta, Delta und Epsilon. Sie wurden als Abfall in großen Mengen abgelagert und sind bis heute ein Risiko für die Umwelt – auch für Grund- und Oberflächenwasser. Die HCH-Isomere sind problematisch wegen ihrer Giftigkeit, ihrer Beständigkeit und ihrer Neigung, sich in exponierten Organismen wie Fischen anzusammeln (Bioakkumulation). Diese gefährlichen Eigenschaften sind je nach Isomer unterschiedlich ausgeprägt.

Bei der Beobachtung der HCH-Isomere in der Umwelt hat sich gezeigt, dass sich das Verhältnis der Isomere ändern kann. So liegt das Beta-HCH im technischen HCH-Gemisch lediglich zu max 20 % vor, in der Umwelt jedoch häufig deutlich darüber. Das Projekt I-Hex soll nun durchleuchten, welche Prozesse das Mengenverhältnis der HCH-Isomere in der Umwelt beeinflussen. Die Ergebnisse sind wichtig für eine Abschätzung der Umweltgefährdung durch diese Stoffe.

Die BfG untersucht die Transformations- und Verteilungsprozesse von HCH-Isomeren mittels der Radiotracermethodik. Im BfG-Isotopenlabor werden radioaktiv markierte 14C-HCH-Isomere radioaktiv markiert, in Umwelttestsysteme (Wasser/Sediment bzw. Wasser/Boden) eingebracht und ihr Verhalten untersucht. Die Wasser-, Sediment und Bodenproben werden dazu radiometrisch mittels LSC (Liquid scintillation counting) und radiochemisch per Radio-HPLC vermessen. Die Experimente sollen die Verteilung der HCH-Isomere zwischen den Umweltkompartimenten (Wasser/Boden/Sediment) und die darin stattfindenden Transformations- bzw. Abbauprozesse aufklären. Außerdem werden "echte" Umweltproben aus dem Umfeld der Bitterfelder Produktionsstätte durch GC/MS/MS analysiert.

Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (Prof. Dr. Jan Schwarzbauer) ist Projektpartner und untersucht die Veränderungen der Isotopenverhältnisse bei den Transformationsprozessen.

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