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Wissen was war… – Rückblick auf hydrologische Extremereignisse (18.10.2012)

Extreme Hoch- und Niedrigwasserereignisse der letzten Jahrhunderte standen im Mittelpunkt einer wissenschaftlichen Konferenz, die am 16./17. Oktober in der BfG stattfand. Leitgedanke war: Nur wer die Vergangenheit kennt und richtig einzuordnen weiß, kann Gegenwart und Zukunft einschätzen und meistern.

Etwa 100 Teilnehmer verschiedener Fachgebiete, darunter Hydrologen, Ingenieure, Geographen, Historiker und Chemiker, besuchten die Veranstaltung. Sie diskutierten die Nutzung historischer wasserwirtschaftlicher Unterlagen sowie deren Erfassung und kritische Aufbereitung. Zur Beurteilung herausragender hydrologische Ereignisse können Quellen herangezogen werden, die hunderte von Jahren alt sind. Ab dem 19 Jahrhundert liegen diese auch zur Wasserbeschaffenheit vor. Während des Kolloquiums wurden Rekonstruktionen und Auswertungen zu Hoch- und Niedrigwasserereignissen in den Flussgebieten von Rhein, Elbe und Oder präsentiert. Weitere Themen waren die Auswirkungen hydrologischer Extreme auf Schifffahrt, Wasserstraßenausbau und Wasserbeschaffenheit sowie Maßnahmen der Hochwasservorsorge und -dokumentation.

Bei der Betrachtung von Zeiträumen mehrerer hundert Jahre gibt es immer wieder auffällige Häufungen extremer Hochwasser, aber auch teils längere Abschnitte ohne solche Extreme. Letzteres bezeichnete Prof. Dr. Rolf Weingartner von der Universität Bern als „Katastrophenlücke“. Für die Schweiz mit dem Rheineinzugsgebiet bis Basel führte er zudem aus, „ist die heutige Zeit im Rückblick und im Ausblick auf die nächsten Jahrzehnte in puncto nutzbares Wasserdargebot eine Gunstperiode. Es profitieren insbesondere Wasserkraftnutzung und Schifffahrt.“

Niedrigwasserereignisse bildeten einen weiteren inhaltlichen Schwerpunkt. Die Beiträge des Kolloquiums behandelten ihre Auftretenshäufigkeit, ihre ökologischen Auswirkungen und die Bedeutung für die Schifffahrt. Die Vielschichtigkeit dieses Themas illustrierten Untersuchungen zur Beschaffenheit des als Trinkwasser genutzten Elbewassers bei den extremen Niedrigwasserereignissen 1893 und 1904.

Im Kolloqium wurde erneut deutlich, wie bedeutsam möglichst umfassende Datengrundlagen für fundierte Entscheidungen sind. Dies unterstrich Dr. Thomas Maurer von der Bundesanstalt für Gewässerkunde in seinem Schlusswort: „Wir erstellen einerseits mit hohem Aufwand immer komplexere Simulationsmodelle und vernachlässigen andererseits die Sicherung der Datengrundlagen. Dem gilt es entschieden entgegen zu wirken, und zwar durch die lückenlose Fortführung der Datenerhebung an unseren Gewässern und eine nachhaltige Datenarchivierung für kommende Generationen. Nicht gemessene oder gesicherte Daten sind unwiederbringlich verloren. Modellierungen können immer wieder begonnen werden, aber eben nur sinnvoll, wenn auch Daten vorliegen.“

Der Tagungsband erscheint demnächst in der Reihe „BfG-Veranstaltungen“.

Niedrigwasser der Elbe im Juli 1904 in DresdenNiedrigwasser der Elbe im Juli 1904 in Dresden Quelle:  Sammlung M. Deutsch, Erfurt

Hochwasser 1882/83 in NeuwiedHochwasser 1882/83 in Neuwied

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