Navigation und Service

Hitzewelle und Niedrigwasser 2006 - Auswirkungen auf Tiere in Bundeswasserstraßen (28.07.2006)

Wie bereits im Sommer 2003 sind wir momentan erneut mit einer lang anhaltenden Hitze-Periode konfrontiert. Auch die Lebensbedingungen für Wasserorganismen in unseren Bundeswasserstraßen werden dadurch verschlechtert. Die Wassertemperaturen sind bereits schon jetzt wieder deutlich erhöht und haben im Rhein bereits wieder die Spitzenwerte aus dem Jahr 2003 (Wassertemperatur >27°C) erreicht. Schon heute, Ende Juli 2006, lag die Wassertemperatur im Rhein an mehr als 20 Tagen über 25° C. Ende August 2003 war das insgesamt an 41 Tagen der Fall. Begleitet wird die Hitzeperiode wie 2003 erneut von extremen Niedrigwasserständen. Der überwiegend guten Gewässergüte ist es zu verdanken, dass die Sauerstoffkonzentration z.B. im Rhein mit 6-7 mg Sauerstoff pro Liter noch erstaunlich hoch liegt.

Die hohen Wassertemperaturen sind sehr belastend für die im Wasser lebenden Tiere, insbesondere für die Fische und die wirbellosen Tiere. Im Hitzesommer 2003 waren am Rhein großflächig Körbchenmuscheln und Aale gestorben. Wenn die aktuelle Hitze-Periode in Deutschland allerdings noch viel länger anhält, ist zu erwarten, dass ähnlich wie im Jahr 2003 erneut Massensterben einzelner Fisch- oder Muschelarten in den Bundeswasserstraßen auftreten. Damals erreichten die Wassertemperaturen Spitzenwerte von 28,2 Grad in der Mosel und 28,6 Grad im Rhein. Derzeit liegt die Temperatur bei etwa 27 bis 28 Grad, normale für die Tiere verträgliche Sommer-Wassertemperaturen im Rhein liegen jedoch nur bei18 bis 20 Grad.

Höhere Temperaturen bedeuten Stress für die Tiere. Die in Bundeswasserstraßen dominanten Fisch-Arten (Aal, Weißfische, Barsche und Zander) ertragen im Sommer durchaus Wassertemperaturen bis zu 25 °C und mehr. Tödliche Wassertemperaturen liegen für diese Fische zumeist deutlich über 30 °C. Die Tiere können daher im Verlauf von Hitzeperioden nicht nur im Hauptstrom, sondern auch in den noch stärker erwärmten Altarmen und Altwassern durchaus für einige Tage und Wochen überleben. Wenn die Temperatur um 10 Grad steigt, haben wechselwarme Tiere (z.B. Fische, Muscheln und andere wirbellose Tiere) allerdings eine verdoppelte Stoffwechselrate. Das heißt, der Energieverbrauch für jede alltägliche Aktivität des Tieres ist dann doppelt so hoch, als wenn die Temperatur 10 Grad niedriger liegt. Die Fische können das dann entstehende Energiedefizit ihres Stoffwechsels bei der Hitze nicht auffangen und werden dann schwächer und anfälliger für Infektionen. Kommen dann, neben der erhöhten Temperatur noch weitere ungünstige Bedingungen hinzu, z.B. Fischkrankheiten, Reduzierung des Lebensraumes durch niedrige Wasserstände, Sauerstoffmangel, Verschmutzung des Wassers, dann kann das bei anhaltender "Hitze - und Trockenperiode" auch 2006 zu Massensterben von bestimmten Fischarten und von kleinen Wasserorganismen führen. Bisher ist im Jahr 2006 in Bundeswasserstraßen allerdings noch kein umfangreiches Massensterben von Wasserorganismen beobachtet worden. In den letzten Tagen sind aber bereits kleinere lokale Fischsterben in innerstädtische Gewässern und Kanäle z.B. im Raum Berlin aufgetreten. Grund dafür waren zu geringe Sauerstoffkonzentrationen. Insbesondere nach starken Regen-Ereignissen gelangen hier über das abfließende Regenwasser große Mengen an organischen Stoffen (u.a. Hundekot, Staub, Pollen, Reifenabrieb) in die Gewässer. Der durch die hohen Wassertemperaturen noch verstärkte Abbau dieser Stoffe im Gewässer durch Mikroorganismen führt zur Zehrung des gelösten Sauerstoffs und zu plötzlichen Sauerstoffdefiziten im Gewässer. Normal sind im Durchschnitt mindestens sechs bis neun Milligramm Sauerstoff je Liter Wasser. Drei bis vier Milligramm Sauerstoff je Liter Wasser ist die Grenze, unterhalb der Fische und viele andere Wassertiere Probleme bekommen.

Für weitere Rückfragen steht Ihnen Herr Dr. Koop vom Referat U4 Tierökologie der BfG (koop@bafg.de, 0261-1306-5404) gerne zur Verfügung.

Diese Seite

© 2017 BfG