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Blaualgen in der Mosel (06.10.2017)

Im August und September 2017 war das Wasser der Mosel an vielen Stellen mit blau-grünen, unappetitlich aussehenden Schlieren durchzogen. Verursacht haben diese „Algenblüte“ Cyanobakterien der Gattung Microcystis, umgangssprachlich „Blaualgen“ genannt.

Blaualgen in der Mosel Blaualgen in der MoselBlaualgen in der Mosel (Foto: Johannes Lingen, BfG)

Die blaugrüne Färbung des Wassers wurde durch Ansammlungen der Cyanobakterien nahe der Oberfläche hervorgerufen und war vielerorts in der Mosel zu beobachten. In Fließgewässern wie der Mosel kommen diese Organismen eher selten vor, während sie in vielen Seen und langsam fließenden Gewässern im Spätsommer bei hohen Wassertemperaturen häufig zu sehen sind. Die Cyanobakterien bilden Giftstoffe, die so genannten „Microcystine“. Nehmen Menschen oder Tiere größere Mengen davon auf, kann es zu Vergiftungserscheinungen kommen. Daher hatte das rheinland-pfälzische Landesamt für Umwelt vor dem Kontakt und insbesondere dem Verschlucken des Moselwassers gewarnt.

Die Färbung des Wassers entsteht durch das in den Algen enthaltene Chlorophyll. Die im Wasser vorhandene Biomasse an Algen – wozu auch die Cyanobakterien alias „Blaualgen“ gehören – lässt sich also durch eine Messung des Chlorophyllgehaltes bestimmen. Die BfG beobachtet den Gesamt-Chlorophyllgehalt des Moselwassers in einem permanenten Messprogramm. Mit dem ersten Auftreten der Blaualgenblüte intensivierte die BfG ihre Routinemessungen und untersuchte ab dem 9. August regelmäßig Wasserproben aus der Stauhaltung Koblenz (Fluss-km 6).

Die Konzentration des Blaualgen-Chlorophylls stieg ab dem 10.8.2017 auf über 10 µg pro Liter an. Zeitweise bestand die Algenbiomasse des Wassers bis zu 80 % aus Cyanobakterien. Deren Anteil ging etwa ab dem 20.8. deutlich zurück, bedingt durch die Zunahme anderer Algengruppen, insbesondere der Grünalgen. Auch danach, also vom 25.8. bis 15.9., blieb der Gehalt an Blaualgen mit 10 bis 15 µg Chl/L weiterhin hoch. Ab dem 14.9. führte die Mosel wieder mehr Wasser. Dadurch wurde die Blaualgenpopulation verdünnt und schließlich ausgeschwemmt.

DiagrammBlaualgen-Chlorophyll und Gesamt-Chlorophyll in der Mosel bei Koblenz im Spätsommer 2017

Bei den Messungen der BfG kam moderne Analysetechnik zum Einsatz. Der Chlorophyllgehalt wurde zeitnah mit einem optischen Verfahren, der Fluorometrie, bestimmt. Die Ergebnisse wurden umgehend dem Landesumweltamt Rheinland-Pfalz zur Einschätzung der Lage übermittelt. Anschließend wurden die Werte im Labor per Hochdruckflüssigkeitschromatografie (HPLC) überprüft.

Auch die Konzentration der von den Cyanobakterien produzierten Toxine – der Microcystine – wurde gemessen. Von der Vielzahl der getesteten Microcystine tauchte nur eins im Wasser auf, und zwar Microcystin-RR. Dessen Konzentration war sehr gering und lag meist unter 0,1 µg/L. Das ist niedriger, als die Algenkonzentration vermuten ließ und lag sogar noch deutlich unter dem WHO-Leitwert für Trinkwasser von 1 µg/L, der für eine der giftigsten Varianten, das Microcystin-LR, aufgestellt wurde und auch für die Gesamtsumme aller Microcystine angewendet werden kann.

Mit dem Auftreten der in der Mosel seltenen Blaualgenblüte musste das Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz eine Vorwarnstufe zur Gewässernutzung ausrufen. Dies war allein aus Gründen der Vorsorge notwendig, auch wenn die spätere Laboruntersuchung der Proben nur geringe Toxin-Konzentrationen ergab. Und im Gegensatz zu dem durchmischten Wasserkörper der Koblenzer Stauhaltung, aus dem die Proben entnommen wurden, können Wind und Strömung die Blaualgen und ihre Toxine in anderen Bereichen der Mosel lokal verdichten. Dort können höhere Konzentrationen auftreten und eine Gesundheitsgefährdung bewirken.

Für die starke Entwicklung der Blaualgen im Spätsommer 2017 kann es mehrere Ursachen geben. Neben den ohnehin relativ hohen Nährstoffkonzentrationen können niedrige Abflüsse und hohe Wassertemperaturen die Blaualgenblüte begünstigt haben. Bei Starkregenereignissen können vermehrt Blaualgen in die Mosel eingeschwemmt worden sein. In den nächsten Jahren ist zu beobachten, ob und warum sich dieses Ereignis wiederholt.

Ansprechpartner in der BfG: Dr. Helmut Fischer (helmut.fischer@bafg.de), Andreas Schöl (schoel@bafg.de)

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