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Natürlich bewachsene Ufer an der Elbe

Uferabschnitte mit natürlichem Bewuchs können viele Vorteile gegenüber einer technischen Ufersicherung haben, sind aber nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Welche das sind, untersucht das Projekt „tibass" (tidal bank science and services) an drei Uferabschnitten im tidebeeinflussten Bereich der Bundeswasserstraße Elbe.

Logo "tibass"

Wo sind an der Tideelbe natürlich bewachsene Röhricht-Ufer möglich, ohne die Wasserstraßennutzung zu beeinträchtigen? Oder genauer: Was sind die biotischen und abiotischen Rahmenbedingungen für natürlich bewachsene Ufer? Dieser Frage geht ein Forscherteam nach, das im Projekt „tibass“der Universitäten Oldenburg und Antwerpen unter Federführung der BfG zusammenarbeitet. Das Team untersucht beispielhaft drei Uferabschnitte der Elbe bei Hollerwettern, Krautsand und Balje. Dazu wird zunächst eine Datengrundlage geschaffen, da es bislang kaum Messungen zu Pflanzenmerkmalen (z. B. ober- und unterirdische Biomasse), Strömungen und Wellen im Uferbereich gibt. Auf Basis dieser Felddaten will das Forscherteam dann eine Methode entwickeln, mit der die Eignung von Uferabschnitten für einen natürlichen Bewuchs bewertet werden kann.

Pflanzenmerkmale und Wechselwirkungen Untersuchungsschwerpunkte "tibass"Untersuchungsschwerpunkte im Projekt "tibass"

Die Bewertungsmethode muss vielfältige Funktionen des Uferbereichs berücksichtigen. Als Begrenzung einer Bundeswasserstraße muss das Ufer für den Schiffsverkehr sicher sein sowie der Belastung durch Schiffswellen, aber auch Hochwasserereignissen standhalten. Als Übergang zwischen aquatischem und terrestrischem Ökosystem können natürlich bewachsene Ufer wichtige Ökosystemleistungen erbringen, die auch für die WSV nutzbringend sind. So reduzieren Röhrichte die Wellenbelastung, tragen zur Regulierung des Sedimenthaushalts im Ästuar bei, vermindern die Erosion, wirken als Filter für Nähr- und Schadstoffe und bauen diese zum Teil ab. Die Entscheidung, ob ein natürlicher Bewuchs technische Befestigungen wie Steinschüttungen oder Spundwände ersetzen kann, hängt von mehreren Standortfaktoren ab, wie zum Beispiel dem Verlauf der Fahrrinne oder der Morphologie des Flusses und des Ufers.

Mit Röhricht bewachsenes Ufer an der ElbeMit Röhricht bewachsenes Ufer an der Elbe Quelle:  Dr. Carolin Schmidt-Wygasch, BfG

Das Forschungsteam erarbeitet Kriterien, mit denen die Widerstandsfähigkeit natürlich bewachsener Ufer beurteilt werden kann. Als Vorbild dient die Natur: Referenzflächen mit natürlichem Bewuchs geben Orientierungswerte für z. B. Bodenart, Hangneigung, Pflanzengesellschaften oder tolerierbare Wellenbelastung vor. Das Projekt soll unter anderem folgende Forschungsfragen beantworten:

  • Welche Wellenreduktion leistet ein natürlich bewachsenes Ufer?
  • Wie ist die Wellenreduktion im Sinne des Konzeptes der Ökosystemleistungen zu bewerten?
  • Welche Standortbedingungen sind zur Etablierung natürlich bewachsener Ufer notwendig, und wann kann ein natürlicher Bewuchs den Belastungen nicht mehr standhalten?
  • Welche bisher ingenieurtechnisch gesicherten Uferabschnitte haben das Potenzial zur natürlichen Uferentwicklung?

Die Antworten auf diese Fragen sollen in Empfehlungen für eine nachhaltige wasserwirtschaftliche Unterhaltung von Ufern der Tideelbe münden. Die wasserwirtschaftliche Unterhaltung der Bundeswasserstraßen ergibt sich aus § 39 WHG und ist konkret an den Bewirtschaftungszielen und Maßnahmenprogrammen nach EG-WRRL auszurichten. Neben den rein verkehrlichen Unterhaltungsaufgaben hat die WSV als Eigentümerin der Bundeswasserstraßen auch die Pflicht, ökologische Zielstellungen aktiv durch die ökologisch orientierte wasserwirtschaftliche Unterhaltung zu erreichen.

Tibass-Kooperationspartner sind:

LogoUniversity of Antwerpen, Ecosystem Management Research Group (Ecobe)

LogoCarl von Ossietzky Universität Oldenburg, Institut für Biologie und Umweltwissenschaften

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